Geschichte und Entwicklung

I Vorgeschichte

II Der Anfang

III Kontinuität

 

I Vorgeschichte

Aus persönlicher Betroffenheit machte sich Frau Ingrid Boegler auf die Suche nach einer Pflegeunterstützung.  Auf der Sozialstation bekam sie gesagt: das machen wir nicht, das nicht, putzen nicht, einkaufen nicht, den Tag über betreuen geht gar nicht…. Die Sozialstation ist nur zuständig für körperliche Pflege.

Frau Boegler hörte sich um, was es alles so gibt für die häusliche Pflege. So erfuhr sie von dem Modellprojekt Seniorengenossenschaften, welches am 15.10.1990 vom Land Baden-Württemberg ausgeschrieben worden war. Die Modellphase soll bis 1995 gehen.

Also wollte Ingrid die Gründung einer Seniorengenossenschaft wie in Riedlingen initiieren.  Da muss man einen finanziellen Beitrag leisten um Mitglied werden zu können (Anteilscheine erwerben). Deshalb wurde dieser Gedanke wieder verworfen.  Heute sagen wir, dies wäre besser gewesen, denn es hätte zur Identifizierung beigetragen.

Daraus folgte mein Ziel, viele Leute zu generationenübergreifendem Bürgerengagement zu gewinnen. Das führt auch dazu, mehrere Sparten gleichzeitig aufzubauen (was von vielen kritisiert wurde). Experimente waren erwünscht – z.B. Hobby-Markt, Angehörigenarbeit. Schnell fand Frau Boegler etliche Unterstützer für ihre Idee, einen Verein zu gründen der sich zur Aufgabe machte, den Austausch zwischen den Generationen durch Angebote gegenseitiger Hilfe, Erfahrungsaustausch und Hilfe zur Selbsthilfe bei den Älteren zu leisten. Tausche Leistung gegen Zeit, dokumentiert in Tätigkeitsnachweisen, Menschen eine Plattform zu geben, sich freiwillig innerhalb dieser Gemeinde zu engagieren, den Wohnort und seine Zukunft sozial mitzugestalten.

II Der Anfang

1995 kam es am 10.April zur Gründung des Vereins Bürger helfen Bürgern. Dabei bekamen wir tatkräftige Unterstützung von Altbürgermeister Lothar Krüger beim Aufbau der Verwaltungsarbeit. Im  1. Vorstand waren: Ingrid Boegler als Vorsitzende, 2.Vorstand: Lothar Krüger, Kultur:  Anne Hofmann, Organisation: Christiane Huck, Kassier: Erich Zürn, Schriftführer: Siegfried Sziede. Das Protokoll der Gründungsversammlung schrieb Brigitte Feyh.

Eine Satzung wurde ausgearbeitet.

Per Satzung hat die Gemeinde bei Sitzungen Anwesenheitsrecht. Wen die Gemeinde dazu schickt ist ihre Angelegenheit. Die Gemeinde hat auch ein Protokoll von jeder Sitzung zu erhalten.  Dies gilt bis heute.

Anfangs gab es einigen Widerstand von den Kirchen und von Vereinen.

Vom Finanzamt kam der Einwand, dass Vereine keine Vorsorge machen dürfen, sonst wird die Gemeinnützigkeit nicht erteilt. Die Satzung musste verändert werden: statt Altersvorsorge mussten wir Altersfürsorge schreiben.  Infolge dessen trat die Satzung etwas später in Kraft.

Unsere Arbeit war in eigenen Räumlichkeiten.  Nachdem wir kein Büro durch die Gemeinde zur Verfügung gestellt bekommen hatten, – Absage durch Bürgermeister Häuser mit der Begründung, so etwas bräuchten wir nicht! – wurden uns von der Volksbank deren ehemalige Räumlichkeiten günstig zur Verfügung gestellt. Vom Sozialministerium erhielten wir eine Starthilfe von 4 000 DM für Büromöbel, PC, Fax…  – von der Gemeinde –  nur die ortsübliche Vereinsförderung.

In Ulm und Leinfelden etwa stellte die Gemeinde sogar eine hauptamtliche Schreibkraft zur Verfügung. Uns hätte eine fachliche Unterstützung durch die Gemeinde mit etwa 3 Wochenstunden genügt.

Als Dachverband wurde die ARBES (Arbeitsgemeinschaft bürgerschaftliches Engagement Seniorengenossenschaften) am 14. Juni 1994 in Heilbronn gegründet.

 

Wir starteten gleich mit verschiedenen Bereichen: ab Mai 1995 Handwerklicher Dienst, Fahrdienst, ab Juni 1995 die Hausaufgabenbetreuung für Grundschüler, ab Herbst 1995 Frühstückstreff.

Angelika Bochnig hat den Mittagstisch so organisiert wie er bis heute läuft!!.

 

 

Der Schulleiter war begeistert von dem Plan der generationenübergreifenden Hilfe: Hans-Frieder Hubers Vorschlag: Alt –jung: 6. Klässler zur Mithilfe beim Mittagstisch einzusetzen sowie die Hausaufgabenbetreuung einzurichten.

Ingrid Boegler setzte sich weiter vehement für die Einrichtung einer Tagespflege in Schwaikheim ein:

Das Überzeugen der Gemeindeverwaltung und des Gemeinderats, die Tagespflege anzufangen, war kein einfaches Unterfangen.

Ingrid musste mit wenigen Freiwilligen Helfer suchen, deren Fortbildung organisieren, den Kooperationsvertrag ausarbeiten, in welchem ab 20.Dezember 1995 (unterschrieben) die Zusammenarbeit zw. Gemeinde und BhB geregelt wurde.

Einziger Unterstützer war der Altenhilfe-Fachberater des Rems-Murr-Kreises.

Neuartig war die Erstellung eines Kooperationsvertrages zwischen der Gemeinde und einem Verein!

Hauptamtliche und Freiwillige, also Profis und Laien, sollten konstruktiv ergänzend und bereichernd zusammenarbeiten. Jeder bringt seine eigenen Kompetenzen ein und die hauptamtlichen Fachkräfte müssen sich darauf einlassen.

 

1996:

Die Tagespflege war ein völlig neues Gebiet. Zu Beginn fing die Tagespflege mit einer Fachkraft an! Die Helfer halfen tgl. 2×4 Std. Zum Angebot der Tagespflege gehört ein Fahrdienst, der dem Verein zugeschustert wurde.  Für die Tagespflege bekam ich von der Gemeinde keinerlei Unterstützung. Der Verein übernahm sogar Aufgaben des „Trägers“:  Fortbildungen, Einsatzpläne, Helfertreffen zum Austausch, Abrechnungslisten geschrieben, Helfer gewürdigt (belohnt). Die Einsätze in der Tagespflege waren und sind eine wichtige Einnahmequelle für den Verein.

Die ARBES bot ab 1996 bis 2007 Qualifizierungskurse als Sozialmanagementkurse an, an welchen auch etliche Helfer teilnahmen.

BhB hatte Vorbildfunktion!! Aus ganz Baden-Württemberg kamen interessierte Gruppen und Anfragen wegen der Mithilfe in der Tagespflege und auch den anderen Projekten, z.B. Mittagstisch, Frühstückstreff … waren gefragt.  Alle unsere Einsätze waren selbst organisiert.

 

1997:

Angeboten wurden auch Vorträge, etwa Hirnleistungs- und Gedächtnistraining von Bernd Fischer. Am 2. Juli gab es einen Austausch mit anderen kreisweiten Initiativen im Jakobus-Haus Schwaikheim. Konrad Hummel vom Sozialministerium hielt ein Referat zum Zusammenwirken der Generationen.

1. August Umzug in die Bahnhofstr. 11, weil die Volksbank bauen wollte.

 

Vorträge: 1997/1998: Wohnung altersgerecht umbauen, Infos zur häuslichen Pflege, Inkontinenz, dazu regelmäßige Treffs für pflegende Angehörige (Tagespflege).

 

1998:

Angelika Bochnig hat als „Inklusions-Projekt „den Rollstuhltanz nach Schwaikheim gebracht. Er fand 1-2mal monatlich in der Begegnungsstätte statt. 8-10 Jugendliche nahmen regelmäßig daran teil.

 

Oktober: Projektentwicklung zum Tagespflege-Einsatz im Rahmen von BETA (=….)

Vom Bundesarbeitsministerium kam die Zusage für eine Sozialarbeiterstelle, finanziert für 3 Jahre um die Zusammenarbeit Helfer – Fachkraft zu installieren und begleiten. Dies wurde leider von der Verwaltung und vom Gemeinderat abgelehnt.

 

1999, ein Wahljahr

Klaus Waldmann schlug eine Rollitour vor, die Frühjahr umgesetzt wurden, an welcher sich u.a. auch Kandidaten, Gemeinderäte, der Bürgermeister in einen Rollstuhl setzten und sich bemühten, im Ort vorwärts zu kommen. Pfarrer Daxer kam auch, nachdem er nochmals extra telefonisch dazu aufgefordert wurde. Dies war eine erfolgreiche Aktion. Daraufhin wurden Gehwege abgesenkt, Zugänge – auch in die Kirche – rollstuhlgerecht angepasst.

 

2000

Die Helfer horteten die angesparte Zeit als Vorsorge für später – was jedoch ohne Gutscheine durch die Gemeinde zum Beispiel für die Tagespflege, Sozialstation, Kindergarten … nicht möglich gewesen wäre – und das Waiblinger Finanzamt (andere nicht!) lehnte diese Möglichkeit, Arbeit gegen Zeit von anderen, als geldwerten Vorteil ab. Es folgte ein Workshop für die Aktiven:

Würdigung und Wertschätzung – die Punktekonten laufen über

Neue Möglichkeiten entwickeln wie in Zukunft die Freiwilligenarbeit honoriert werden kann.

(Über 40 Helfer/innen !!) Daraus folgten der Walking-Treff und die Gutscheinaktion:

Aktion: Menue 2000 Die angesammelten Zeitpunkte wurden auf 0 gefahren. Dafür gab es Gutscheine mit unterschiedlichen Geldbeträgen, die 2000 innerhalb der Gemeinde in vielen Geschäften eingelöst werden konnten. So konnte die eine zum Frisör gehen, der andere ins Bekleidungsgeschäft, zum Essen gehen, … Diese Aktion kam super gut an.

 

August:  Katrin Dörr kündigt ihre Stelle als Leiterin der Tagespflege, weil die Gemeinde nicht mit ihrem Fortbildungswunsch einverstanden war. Frau Dörr war die fähigste Leiterin der Tagespflege und hat die Gäste so gut mobilisiert und aktiviert wie keine andere vorher oder nachher.

 

Auch heute besteht noch Bedarf, die Angebote der Sozialstation und Tagespflege zu ergänzen.

 

III Kontinuität

 

2001

Am 17. Januar wurde legte Frau Boegler nach 6 Jahren ihren Vorsitz nieder und Frau Brigitte Feyh M.A. wurde zur 1. Vorsitzenden gewählt. Sie war vorher etliche Jahre Schriftführerin im Vorstand.

Januar: Ehrung vom Land durch Ministerpräsident Erwin Teufel für den Verein unter Ingrid Boegler im Neuen Schloss in Stuttgart. Frau Boegler und Frau Feyh gingen zum Empfang. Auch Bürgermeister Häuser kam dazu.

Ingrid Boegler war der Motor, Christiane Huck war das Benzin, Gabi Zaiser hatte/ und hat die tollen Einfälle für die Helferfestprogramme und Ausflüge.

 

Brigitte Feyh strukturierte die einzelnen Bereiche etwas um. Jede Bereichsleiterin / jeder Bereichsleiter war verantwortlich für den Informationsfluss an die Helfenden. Die Bereichsleitung ist bei den Vorstandssitzungen anwesend. Die Beschlüsse, die den eigenen Bereich betreffen, werden weitergeleitet. Fragen und Probleme, sowie positive Rückmeldungen aus den Bereichen werden an den Vorstand weitergeleitet.  Zudem kann jeder Bereich selbstständig Fortbildungen durchführen, die vom Verein bezahlt werden.

Dadurch wird der Vorstand entlastet, die Leitenden der Bereiche gestärkt, deren Eigeninitiative gefördert.

Zudem wurde eine Steuerberatung hinzugezogen. Die Tätigkeitsnachweise werden nach wie vor geführt. Sie belegen das bürgerschaftliche Engagement, das volkswirtschaftlich dem Bruttosozialprodukt zuzurechnen ist.

 

2003 Robert Schneider führte das Gehirnjogging fort. Der handwerkliche Dienst wurde schleichend eingestellt, Herr Fleischer repariert alleine bis heute Spielzeug im Kindergarten.

2004   1. Preis beim Bürgerpreis

Landrat Johannes Fuchs überreicht Brigitte Feyh anlässlich des Bürgerpreises ‚Für mich, für uns, für den Rems-Murr-Kreis‘ den 1. Preis zum Thema ‚Jung und Alt‘.

 

2005 hatten wir den Stuttgarter Altbürgermeister Manfred Rommel zu Gast beim Helferfest.

 

Das betreute Wohnen war als Gebäude errichtet worden, aber mit Leben erfüllt hat dies Gabi Zaiser mit Frühstückstreff und Basteln.

 

2007 gab Brigitte Feyh aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz ab. Marie-Luise Gimmler wurde als Vorsitzende gewählt.

 

Frau Gimmler hatte schon als stellvertretende Vorsitzende einen interkulturellen Dialog eingeführt und Deutschunterricht für türkische Frauen. Ein jährlicher Märchenabend im Januar ergänzte nun ihr Programm.